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Feldhiittet: Ferdinand F., Landschaftsmaler, wurde am 7.
April 1842 zu München geboren und starb in eben dieser
seiner Heimath, an der seine Seele, sein durchaus oberbairisches
Naturell hingen, am 8.“December H 1898. Sohn einfacher
Eltern, verbrachte er eine bescheidene Jugend. Er lernte
leicht, ohne eine bessere Anstalt besuchen zu können,
mit dem Geiste der Kunst, die früh ihn rege anzog,
wie die unvergleichlichen Museen seiner Vaterstadt. Vom
zugedachten Berufe des Deeorationsmalers wandte er sich
bald der Landschafterei zu; ganz aus eigener Kraft vollzog
er diesen Uebergang, ohne Lehre und Lehrer, und so auch
mit dem Strebeeifer des selbsterwachsenen künstlerischen
8S1t’ ms„ä0 1mm. Allem Philiströsen,
allem Eingezirkelten fremd und ferne, verstand er, im Gegensatze
zu vielen Genossen, das Segentsreiche normaler bürgerlicher
Lebensführung. 21 Jahre war er beim Tode glücklich
in zweiter Ehe verheirathet, und die Kinder erzog er zum
Ernste des Lebens und Wirkens. Freilich, goldene Berge hat
ihm der Pinsel nicht erobert, nur starken Beifall zu seinem
rastlosen Streben, Anerkennung der liebevoll fertiggestellten
Werke, einen geachteten, allseitig geehrten Namen als Künstler
und Mensch. Seine Frohnatur, in Jodlern und Schnadahüpferln
gern hervorbrechend, sein herzlicher Humor, bei allen lustigen
Festen der Münchener Künstlerschaft stark bethätigt,
vergoldeten ihm und den Seinigen das Dasein, den Freunden
und Genossen die Geselligkeit und den Verkehr. Noch yim
Herbste 1898 jubilirte er am Chiemsee, wo er Frische und
neue Ideen und Themen holen wollte; den Heimgekehrten ergriff
das alte böse1Htztzz [512] leiden mit verstärktem
Druck, und Anfang December sank die schaffensfreudige Hand
Hfür immer schlus herab; “ d s
Einfach und lauter, ungezwungen nach Münchner Art,
ehrlich und gerad als– echter Bajuware, ein unverwüstlicher
Optimist, der stets nach der schönen Seite der Dinge
autslugte undsan den Menschen, den Ereignissen, den Kunst:-
– gebilden stets das Gute abzulesen suchte –
so war sein Charakter. Das kennzeichnet sein ganzes Wesen,
auch die sonnige Phantasie, die ihm auf der Lippe wie in
den Fingern waltete. Ein heiterer Morgen der blühenden
Natur; oder ein Nachmittag, den die Sonnenstrahlen durchweben,
das waren seine Lieblingsvorwütfe, während er
davor scheute, in seine Serie solcher mit einem Hauche sinniger
Verklärung übergossenen Aufnahmen Wechsel durch
Abend- und Nachtstimmungen oder gar durch Regen- und Sturmscenen
hineinzumischen. Seinem eigenen Wesen gemäß stand
ihm die Schöpfung stets mit freundlichem Antlitz Vor
Augen. Dem geschickten Münchener Landschafter Julius
Lange (1817–78; f. A. D. B. Icv1l, 644 f.) sich anlehnend,
hatte F. sich auf die idyllische Landschaft beschränkt.
In außerordentlich großer Anzahl schuf er Gebirgspartien,
mit Vorliebe und besonders gelungen Seenstücke, das
meiste in seinen geliebten oberbairischen Alpen oder über
der Tiroler Grenze drüben erschaut, einiges aus der
Schweiz oder Oberitalien im Kopfe gemodelt. Daß Wasser
in seinen verschiedenen Erscheinungsformen der Alpenwelt
reizte ihn immer wieder. Aus der Reihe der vielen hergehörigen
Bilder seien beispielsweise genannt: „Der Walchensee“
(1877), „Der Vierwaldstätter See“ (1881),
„Der Hallstätter See“, 1898 Vom Münchener
Kunstverein angekauft, der unmittelbar nach Feldhütter’s
Tode, im Januar 1899 einen trefflichen Blick von ihm auf
den Lago Maggiore vor die Oeffentlichkeit brachte; „Gebirgsschlucht“
(1884), eine Partie „Bei Inzell“ und „Mauthhäusel“
(Berchtesgadener Ländel); der „Hohe Göll
bei Berchtesgaden“ ward durch eine Holzschnitt-Wiedergabe
in „Vom Fels zum Meer“ R1, 26. Heft, „Die
Kuhflucht“ (bei Garmisch in Oberbaiern) durch die
Reproduction in „Ueber Land und Meer“ 74. Bd.
(1895) Nr. 49 weiteren Kreisen zugänglich. Die größeren
Ausstellungen Deutschlands kannten ihn regelmäßig.
Der „Münchener Kunstverein“ brachte ihn
immer wieder vor die Oeffentlichkeit, Verlooste Werke von
ihm, stiftete ihm durch den Maler Max Scholz einen schönen
Nachruf im „Rechetischaftäsbericht der Vorstandschaft“
für 1898, S. 72–74 und veranstaltete Anfangs
Mai 1899 aus dem Nachlasse eine reiche Ausstellung von sehr
anziehenden fertigen Bildern, Skizzen und Studien. Im Todesjahr
erlangte eine „Partie von Sachran [bei Kufstein]“
die goldene Medaille auf der Internationalen Ausstellung
zu Barcelona. Klar, reif, sonnig, urwüchsig, wahr wie
sein Charakter, wie seine Bilder, wuchs und klang seine
Rede. Einzigartig und eine Berühmtheit in München
war sein launiger Vortrag von „Erlebnissen“,
die er, in den verschiedensten Dialekten gerecht, unter
Kameraden und bei den Künstlerkneipen zu allgemeinstem
Jubel zum besten zu geben pflegte: ein Verlust, daß
diese feinbeobachteten, auch in der äußeren Wiedergabe
eindrucksvoll pointirten Humoresken zwar unter den Hörern,
die einst an seinen Lippen gehangen, nicht vergessen, aber,
weil ungedruckt, verweht sind. Aufs Grab legte seine Genossengruppe
den Lorbeer „dem lieben, guten Freunde und Collegen
mit dem goldenen Herzen und dem göttlichen Humor als
Dank und Ehrung!“ Noch viele werden sich an den stimmungdurchleuchteten
Gemälden erquicken, die er in der Scenerie seiner engeren
Heimath, im Bergthal und am Voralpensee erdacht und dann
inmitten des Tagesgetriebes seiner lieben „Münchnerstadt“
auf die Leinwand gebannt hat: noch wandern gar manche seiner
Werke umher, eine würdige Stätte suchend, nachdem
die Wittwe nach der erwähnten Ausstellung [513] im
Sommer 1899 leider daran gehen mußte, einzeln zu veräußern
mas wm künstlerischen Nachlasse materiell irgend verwerthbar
war.
Vgl. außer Scholz’ (s. o.) Nachruf
die Notiz von R., Münchn. Neuest. Nachrichten v. 12.
Mai 1899 Nr. 219 unter „Kunst und Wissenschaft`; sowie
Ht)acinth Holland’s knappen gediegenen Artikel im
Biogr. Jahrb. u. Dtsch. Nekrolog III, 140 f. – Einige
persönliche Angaben der Wittwe Frau Maria Feldhütter
in München August 1899.
BRON:
WIKISOURCE
Info: Benezit
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